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Dias digitalisieren durch abfotografieren

Dias abfotografieren – oder: der schnellste Weg zum guten Digibild

Erstellt am 06.02.2006 - aktuelle Version: 2.2 vom 16.06.2009 © Andreas Ludwig

Ziel: ein großes Diaarchiv in guter Qualität schnell und preiswert digitalisieren - durch abfotografieren.

Problem: Dias. Jede Menge Dias. Tausende. Und dazu noch in versch. Rähmchen. Die meisten auch noch gute, alte Kodachrome KR64 und KL200, die als besonders kritisch zu scannen gelten. Mit den üblichen Hobby-Filmscannern eine kaum vernünftig zu bewältigende Aufgabe.

Kleines Vorwort: Dieser Artikel ist etwas ausführlicher geraten und textreich - aber es lohnt sich "durchzuhalten", weil die 15min für diesen Artikel nix sind im Vergleich zu der Zeit die man mit Fehlversuchen verplempern kann...

Für ungeduldige hier eine kurze Vorab-Zusammenfassung in Stichpunkten:
  1. benötigt wird eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR) mit hochwertigem Macroobjektiv
  2. ein alter Diaprojektor mit automatischem Magazintransport (ohne Objektiv)
  3. penibele planparallele Ausrichtung von Kamera, Objektiv, Projektor
  4. manuelle oder AF-Scharfstellung an der DSLR (geht beides)
  5. manuelle Belichtungseinstellung (für "Exposure to the right"!)
  6. manueller Weisabgleich bzw. Einstellung der Farbtemperatur
  7. RAW-Format verwenden
  8. Software zum Entwicklen oder Extrahieren der JPGs aus den RAW-Dateien
  9. Software zum nachträglichen vertikalen Spiegeln der JPGs (z.B. IrfanView)

Grundlagen und Vorbereitung


Klassisch: Erste Erfahrungen sammelte ich mit einem "Acer Scanwit 2940" Film- und Diascanner. Der schafft bis zu 2700DPI, bietet 48-Bit-Unterstützung, beherrscht ICE (autom. Staub- und Kratzerentfernung), ist für einen Scanner dieser Art seeehr schnell und leise und war mit rund DM900 (450EUR) auch noch bezahlbar. Dieser Scanner wurde vor längerer Zeit in der Computerzeitschrift "c´t" mal als Empfehlung getestet. Die Bildqualität der Scanns, die sich mit diesem Gerät erreichen läßt, ist gut und genügt durchaus auch gehobeneren Ansprüchen. Klar gibt es noch bessere Scanner. Die Kosten dann aber auch ein mehrfaches...

Ein baugleiches Gerät wurde später übrigens u.a. von Benq, anstelle von Acer, vertrieben. Hauptnachteil dieses Gerätes sind die etwas billigen Plastikhalter für die Dias (bis zu vier gleichzeitig) bzw. Negative (Sechserstreifen), die schnell zu Bruch gehen können (insbesondere die kleinen Klemmen, die die Diarahmen im Halter fixieren).

Der größte Nachteil solcher Scanner allgemein ist jedoch: man muss jedes Dia in die Hand nehmen und einzeln in den Halter stecken - zur Digitalisierung größerer Diabestände taugt eine solche Lösung bei noch vertretbaren Zeit- und Arbeitsaufwand also definitiv nicht! Lösung? Ein Gerät, welches am besten die Dias Stapelweise in den üblichen Magazinen frisst! Der Nachteil: die Scanner, die zumindest die Stapelverarbeitung beherrschen, kosten entweder richtig viel Geld (Nikon, Canon) oder sind/waren noch nicht ausgereift genug (wie z.B. Braun/Kindermann DigitDia 2000). Ferner dauert auch bei diesen Dingern das Scannen noch recht lange!

Lösung! Ein Artikel in der Computerzeitung "c´t" (http://www.heise.de/ct/03/12/148/ sowie erneut in der c´t Ausgabe 3/2006) brachte die richtige Idee: ein umgebauter Diaprojektor ohne Objektiv automatisiert den Diatransport, während man z.B. mit einer guten DSLR durch die Objektivbühne das beleuchtete Dia abfotografiert!
Die Idee ist brillant - nur die technische Umsetzung, wie in den Artikeln beschrieben, ließ leider einige wichtige Fragen unbeantwortet bzw. war nicht optimal durchdacht - einige Beispiele hierzu:
Für eine möglichst gleichmäßige, diffuse Ausleuchtung des Dias werden sämtliche Linsenelemente (Kondensorlinse und ggf. Korrekturlinse) aus dem Projektor entfernt (um Hotspots zu vermeiden) und zwischen Wärmeschutzfilter und Diabühne eine passende Opalscheibe eingesetzt (siehe Bild).

Geeignet ist dazu z.B. einfach eine übliche Milch-Plexiglasplatte, passend zurechtgesägt (ca. 5x5 cm). Diese Opalscheibe sollte möglichst frei von Kratzern und Flecken sein und möglichst weit von der Diabühne nahe am Wärmeschutzfilter eingesetzt werden, sonst leidet u.U. später das Bildergebnis! Für eine optimale Kühlung und Wärmeabfuhr sollte man aber unbedingt darauf achten, zwischen Wärmeschutzfilter und Opalscheibe noch ca.5 mm Abstand einzuhalten.

Wegen der dennoch nicht unerheblichen Wärmeentwicklung ist von der Verwendung von Papier als "Opalscheibe" abzuraten; bei Vorversuchen verfärbte sich das Papier schon nach recht kurzer Zeit gelb-braun! Neben der Brandgefahr sieht man die Einfärbung später auch sehr deutlich auf den Digifotos!

Diaschacht Projektor mit Opalscheibe
Bild 1: Blick in den Lampenschacht des umgerüsteten Braun Novamat - Gelber Kreis: 150W-Halogenlampe, grünes Oval: Wärmeschutzfilter, rotes Oval: Opalscheibe (Plexiglas)

Versuchsaufbau mit Kamera und Balgengerät

Bild 2 zeigt den provisorischen Kopierstand – Kamera auf Stativ mit dem Tokina AT-X 90mm MAKRO am Pentax-Balgengerät. Ein großer Vorteil ist der Makroschlitten am Balgengerät, welcher die Scharfeinstellung ungemein erleichtert.
Nachtrag: inzwischen verwende ich ein Tamron SP AF 90mm F/2,8 Di MACRO 1:1 - bei diesem Objektiv ist direkt eine formatfüllende Abbildung 1:1 auch ohne Balgengerät / Zwischenringe am APS-C Sensor möglich.

Objektiv betrachtet
Die Frage nach dem optimalen Objektiv ist schnell beantwortet: ein Macro-Objektiv ab 90mm Brennweite aufwärts (bei kürzeren Brennweiten kommt man u.U. nicht mehr nah genaug ans Dia ran!!) welches möglichst direkt (ohne Extender) auf einen Abbildungsmaßstab von 1:1 kommt. Mit solchen Hochleistungsobjektiven lassen sich die besten Ergebnisse erzielen.
(Im Internet , z.B. auf YouTube, kann man als abschreckendes Beispiel z.T. sehr abenteuerliche Konstruktionen bewundern - z.B. uralte Zoomobjektive, die mit Telekonverter und Macro-Extendern "vergewaltigt" werden - die damit erzielbare Bildqualität ist nach aller Erfahrung derart grottenschlecht, dass es schlicht schade um die vergeudete Zeit & Mühe ist!)

Zeit & Blende

Der wesentliche Vorteil der 150W-Lampe gegenüber einer schwächeren Lampe wird schnell offensichtlich: bei einer 1:1 Reproduktion (90mm Makroobjektiv am Balgengerät) sind bei Blende 8-11 und ISO200 noch 1/60sec. Belichtungszeit m;glich. Damit kann man (Montage der Kameramimik auf einem stabilen Stativ vorrausgesetzt) weitgehend verwacklungsfrei auch ohne Spiegelvorauslösung - und damit sehr zügig - arbeiten.

Weißabgleich
Im c´t-Artikel wird empfohlen, einen Weißabgleich ohne Dia in der Bild-Bühne durchzuführen...
Hmm, das ist eigentlich Unfug: Diafilme sind nämlich in der Farbgebung i.a. eben genau darauf abgestimmt, mit einem Diaprojektor projiziert zu werden. Will heißen mit einem Abgleich auf die Halogenlampe, zumindest mit 3400K, schießt man u.U. übers Ziel hinaus und die Bilder werden zu kühl oder gar blaustichig! Ferner gibt es von Dia-Film zu Dia-Film, nicht nur zwischen verschiedenen Marken sondern auch innerhalb einer Filmfamilie bzw. -Sorte (!), merkliche Unterschiede in der Farbwiedergabe. Der Grund hierfür sind zum einen Schwankungen bei der Filmherstellung selbst (Emulsion), unterschiedliche Alterung/Lagerung (besonders bei Nicht-Profi-Material) sowie bei der Entwicklung.
Die besten (visuell gefälligsten) Ergebnisse konnte ich erzielen mit einer manuellen Einstellung des Weisabgleichs (Farbtemperatur) auf Tageslicht (sic!) oder, je nach Filmzustand, auch von ca. 4.000 - 5.500 K.

RAW oder JPG?
Womit wir gleich zur nächsten Frage kommen: In RAW oder JPG digitalisieren? Generell empfiehlt es sich im RAW-Format zu digitalisieren - dann kann man die Farbtemperatur sehr elegant anhand eines geeigneten Bildes aus der Serie im Nachhinein blockweise per Augenschein optimieren. Bei meinen bisherigen Dias waren die Ergebnisse i.a. - wie schon erwähnt - am gefälligsten mit Farbtemperaturen zwischen ca. 4.000K und 5.500K (Tageslicht). Über die weiteren Vorteile des RAW-Formates gegenüber JPG (Stichwort Farbtiefe und Dichteumfang), die für die Digitalisierung von Dias genauso gelten wie für die "normale" Fotografie, brauchen wir uns hier nicht weiter auslassen, das kann man an anderer Stelle im Web ausführlich genug nachlesen.

Belichtung - Grundsätzliches & ein bischen Theorie
Die Belichtung ist ein ganz wichtiger Punkt, hier kann man viel Qualität verschenken!

Zunächst hilft es, vorher erst ein klein wenig nachzudenken... ;-) Die Bildhelligkeit des Dias ist durch die Halogenlampe absolut begrenzt und erreicht in hellsten/überbelichteten Bildstellen (= klarer Film) das absolute Maximum. Heller geht einfach nicht.
Am anderen Ende der Skala steht ein völlig schwarzes Dia, welches aber nicht wirklich schwarz ist, sondern immer noch mehr (übliche E6-Filme) oder weniger (Kodachrome) Restlicht passieren lässt, also nur ein mehr oder weniger dunkles grau darstellt.
Dies ist der maximale Dia-Kontrast, genau diesen gilt es möglichst verlustfrei zu erfassen! Soweit alles klar?

Analog - Wer viel Erfahrung mit der Projektion von Dias hat weis, dass ein guter und heller Projektor aus einem Dia stets alles(!) rausholt, was an Zeichnung drinnsteckt. ABER: abhängig von der Projektionsentfernung (Bildgröße) und vor allem dem Restlicht im Vorführraum nimmt der Zuschauer Zeichnung in den tiefsten tiefen eines Dias erst ab einer gewissen Schwelle auf der Leinwand überhaupt wahr! Genau das ist der Maßstab, an dem sich unsere Digifotos messen lassen müssen.

Digital - Entwarnung: bei meinem Versuchen habe ich festgestellt, das sich der maximal mögliche Kontrastumfang eines Dias mit der Pentax istDS mit einer einzigen RAW-Aufnahme vollständig abbilden lässt! Siehe hierzu auch die Beispielbilder weiter unten.

Einstellungssache & maximaler Kontrast
Wir stellen also unsere Kamera auf manuelle Belichtung "M" und wählen bei vorgegebener Blende und ISO die Belichtungszeit so, das bei Belichtung auf die nackte Opalscheibe ohne Dia gerade so keine "echte" Überbelichtung auftritt! (bei der Pentax istDS z.B. bedeutet das den Licht-Peak im Histogramm so dicht wie möglich am rechten Rand zu platzieren. Besonders hilfreich sind hierfür auch einblendbare Hotspotwarnungen einiger Kameramodelle). Dieses vorgehen ist in der Fotofachwelt auch unter dem Begriff "Exposure to the right" bekannt.

Mit dieser Grundeinstellung können nun alle Dias digitalisiert werden! Dadurch stellen wir sicher, das wir stets mit dem maximal möglichen Dynamikumfang unsere Dias digitalisieren, ohne jedes Bild einzeln einmessen zu müssen. Wie schon erwähnt, haben meine Versuche nämlich gezeigt, das sich selbst der brutalst mögliche Kontrastumfang eines Dias auf diese Weise noch vollständig mit der istDS erfassen läßt (z.B. Sonne direkt im Bild zusammen mit Schlagschatten mit minimaler Restzeichnung)!! Dazu sei noch angemerkt, dass das „Schwarz“ eines Kodachromedias im Gegensatz zu allen(?) anderen E6-Diafilmen wirklich nahezu schwarz ist, also eine sichtbar höhere Dichte aufweist - und somit den höchsten darstellbaren Kontrast aller Diafilme! Wenn es also mit nem KR64 oder KL200 geht, dürfte es mit anderen Filmen erst recht funktionieren – was es auch tut... ;-))
Diese vorgehensweise kann aber zunächst bei manchen Dias zu sehr, sehr hellen Bildern führen. Daher wird die "Feinregelung" der Belichtung (sprich eine visuell gefällige, "richtige" Belichtung bzw. Bildhelligkeit) später ggf. bequem bei der RAW-Entwicklung durchgeführt. So bekommt man auch über- oder unterbelichtete Dias recht problemlos in den Griff.

Bei wirklich extremen Kontrasten kann sich eine weitere, interessante Optimierungsvariante durch das sog. "DRI" ergeben, um bei solch besonders kontrastreichen Dias vielleicht noch etwas mehr Qualität rauszukitzeln zu können.

Optimale Blende
Wegen der unvermeidlichen Bildwölbung ungeglast gerahmter Dias ist das Scharfstellen eine kniffelige Angelegenheit und muss daher während einer Aufnahmeserie häufiger bei offener Blende nachkontrolliert werden! Zur Digitalisierung selbst blendet man das Objektiv auf Werte von ca. F11 ab, der meiner Ansicht nach beste Kompromiss aus Tiefenschärfe (wegen Wölbung), optischer Leistung und Belichtungszeit - deutlich weiteres Abblenden dürfte wegen der zunehmenden Beugungsunschärfe kaum sinnvoll sein.

Bei meinem Aufbau erreiche ich dabei Belichtungszeiten von 1/30 – 1/60 sec. Bei ISO200. Die Bildwölbung der Dias ist auch der Hauptgrund, warum man zum Randbereich hin mit Abstrichen in Bezug auf Schärfe/Auflösung rechnen muss und ist gleichzeitig das größte Qualitäts-Problem bei dieser Art der Digitalisierung.

Manuelle Scharfstellung oder doch besser den AF verwenden?
Nun, das hängt auch entscheidend davon ab, wie zuverlässig der AF hier arbeitet, auch im Hinblick auf die mehr oder weniger ausgeprägte Wölbung der Dias. Am besten ist es einige Vorversuche zu machen sowohl mit manueller Einstellung als auch AF und dann zu schauen, wo die besseren Resultate bei rauskommen. Beides funktioniert i.d.R. gut.

Vignettierung:
Davon wird immer wieder berichtet und scheint offenbar von verwendeten Projektor bzw. der Art des "Umbaus" abhängig zu sein. Bei meinem Novamat jedenfalls kann ich keine besonders auffällige Vignettierung beobachten.
Vieleicht liegt es in den berichteten Fällen aber auch daran, dass einige die Kondensorlinsen nicht entfernt haben, was zu einer deutlich stärkeren Bündelung des Lichtes führt! Sollte trotz entfernter Linsen eine sichtbare Vignettierung auftreten, kann man versuchsweise auch einmal die dünnere Korrekturlinse (nicht die dicke Kondensorlinse!) andersrum einsetzten.

Sollte das nicht helfen, kann man sich event. auch mit einer digitalen Korrekturmaske („Negativmaske“) behelfen: Foto ohne Dia machen, dann Bild invertieren, Maske erstellen und per EBV anwenden. Alternativ kann man (innerhalb gewisser Grenzen) auch bei der RAW-Entwicklung eine event. vorhandene, störende Vignettierung reduzieren.


Durchführung


Show-Down - Vorbereitung der Dias
Zuerst sollte man die Dias ggf. noch von Staub und Fusseln befreien (z.B. mit Druckluft), dass vermeidet unnötig aufwändige Retuschen später.
Die Dias sind in den Magazinen üblicherweise auf dem Kopf stehend und beim Abfotografieren zusätzlich noch seitenverkehrt(!). Ferner sind ggf. auch noch mehr oder weniger häufig Hochformataufnahmen darunter. Man müsste also eigentlich jedes Dia vor dem Digitalisieren zweimal drehen (seitenrichtig und auf die Füße), damit es hinterher auf den Digifotos stimmt. Damit würden wir aber sehr viel Arbeit zusätzlich haben. Kurz: wir lassen es erst mal so wie es ist. Sowohl das Seitenrichtig-Drehen als auch auf die Füße stellen wird später ganz bequem mit Software per Stapel- bzw. Batchverarbeitung erledigt!
Bei Hochformatbildern kann man sich zwischen drei Varianten entscheiden:
1) man dreht die Dias vorher um 90°
2) man macht einen zweiten Durchgang mit vertikal ausgerichteter Kamera
3) man benutzt den Dialift, um ein Dia erst unmittelbar vor der Aufnahme zu drehen

Ich verwende gerne Methode 3), das geht sehr flott und einfach. Ferner ist das Abfotografieren derart schnell, dass man bei der Pentax istDS eh häufiger warten muss, bis der Kamerapuffer die Bilddateien auf die Karte geschrieben hat! Da sind die kleinen Zwangspausen durch das Drehen der Hochformatbilder der ideale Pausenfüller... ;-))

Justieren und Ausrichten der Kamera
Hier ist etwas Fingerspitzengefühl gefragt, von einer sorgfältigen Ausrichtung der Kamera und Objektiv hängt wesentlich unser späteres Ergebnis ab. Als sehr hilfreich für die Einstellung und Ausrichtung erweisen sich spezielle Einstelldias, welche man für Dia-Überblendprojektionen verwendet. Die endgültige Scharfstellung erfolgt aber auf jeden Fall an einem Original-Dia! Auch gilt es, die Schärfe regelmäßig zu kontrollieren, insbesondere auch dann wenn sich die Rahmensorte ändert!! Die Wölbung glaslos gerahmter Dias ist nie wirklich identisch, so dass es auch innerhalb einer kleinen Serie Unterschiede in der Fokuslage geben kann.
Ferner neigen solche Dias in der Projektion bekanntlich zum „Ploppen“, sobald sie sich im Projektor erwärmen (Der Autofokus modernerer Projektoren hilft hier übrigens nicht, weil dieser normalerweise nur die Objektivaufnahme des Projektors - und nicht die Diabühne - verschiebt und diese keinen Einfluß auf unsere Anordnung hat). Hier ist noch anzumerken, dass bei der hohen Geschwindigkeit und dementsprechend kurzen Standzeit der Dias diese sich kaum erwärmen und entsprechend nur eine geringe Ploppneigung entwicklen.
Erfahrungen mit hinter Glas gerahmten Dias habe ich persönlich übrigens keine, bisher habe ich nur glaslose verarbeitet.

Ein nerviges Problem beim Festlegen des richtigen 1:1 Abbildungsmaßstabes ist einerseits der Sucher der istDS: dieser zeigt nämlich nur ca. 92% des tatsächlichen Bildes an. Das führt schnell dazu, das man einen Teil des Diarahmens gleich mit fotografiert, obwohl im Sucher davon nix zu sehen war. Weiterhin gibt es auch bei den verwendeten Diarahmen selbst z.T. deutliche Unterschiede in der Größe des Bildausschnitts, je nach Hersteller. Trotz aller Sorgfalt kann es also immer wieder vorkommen, dass Teile des Diarahmens mit abfotografiert werden, wenn man das Dia möglichst vollständig erfassen will. Das ist aber nicht weiter schlimm, weil wir bei der RAW-Entwicklung die Bilder nämlich ganz bequem Stapelweise zurechtschneiden können.


Nachbearbeitung


Die RAW-Dateien werden bei der Entwicklung, sofern noch auf dem Kopf stehend und seitenverkehrt, vertikal(!) gespiegelt, nach Bedarf / Geschmack in Bezug auf Farbtemperatur, Sättigung und Belichtung optimiert sowie ggf. weitere Korrekturen wie Vignettierung und Beschnitt eingestellt. Falls die RAW-Software keine vertikale Spiegelung anbietet, müssen die Bilder in zwei Schritten verarbeitet werden:
  1. zunächst als (hochwertige) Zwischenbilder verarbeiten und speichern (z.B. als TIF oder JPG in hoher Qualität). Ich habe mir hierzu eigens einen Ordner „Seitenverkehrt“ angelegt.
  2. diese Zwischenbilder werden dann vollautomatisch via Batchverarbeitung mit einem Bildbearbeitungsprogramm geöffnet, vertikal gespiegelt und in einem anderen (Archiv-)Ordner gespeichert.
Einige Programme (wie z.B. das kostenlose IrfanView) erlauben diese vertikale Spiegelung auch als verlustfreie JPG-Operation stapelweise auszuführen! Dann kann man ggf. auf eine vorherige Spiegelung in der RAW-Software verzichten.
Ferner können bei dieser Gelegenheit natürlich noch weitere Optimierungen automatisch auf die Bilder angewendet werden, wie z.B. entrauschen, nachschärfen etc. (diese sind dann aber logischerweise nicht verlustfrei ;-) Nach einer kurzen Endkontrolle der fertigen Bilddateien werden die Zwischenbilder im Ordner „Seitenverkehrt“ gelöscht. Um so Dinge wie Staub-/Kratzer-/Fusselentfernung beschäftige ich mich erst bei konkretem Bedarf am fertigen Bild.

Ein extrem schneller - und für die meisten Fälle qualitativ ausreichender - Weg zum fertigen JPG sieht so aus:
Sollte später einmal tatsächlich ein besonders gelungenes Bild weiterverarbeitet werden, kann man bei Bedarf die RAW-Datei immer noch einer individuellen Behandlung / Entwicklung unterziehen.


Fazit

Die erreichbare Qualität durch Abfotografieren ist erstaunlich gut. Sie ist so gut, das die limitierenden Faktoren wesentlich nur von der verwendeten Kamera und dessen Objektiv bestimmt wird!
Die Auflösung ist bei einer 6-Mpix-Kamera wie der *istDS in etwa äquivalent zu einem Scan mit 2.000dpi (bei Maßstab 1:1). Der Kontrastumfang von Dias kann ohne Klimmzüge zu 100% erfasst werden. Die Geschwindigkeit ist phänomenal und wird derzeit noch zum großen Teil schlicht von der Bildpufferkapazität / Schreibgeschwindigkeit auf die Speicherkarte der verwendeten Kamera (hier mit der istDS) begrenzt! 100 Dias lassen sich so in nur wenigen Minuten hochwertig digitalisieren. Die anschließenden Verarbeitungsschritte am PC dauern zwar u.U. länger, lassen sich aber weitgehend und problemlos automatisieren. Der Gesamtzeitbedarf für 100 Dias liegt bei etwa 1 Stunde (inkl. Stapel-Endverarbeitung mit Bildbearbeitungssoftware) - bei Anwendung der Schnellmethode (mit der JPG-Extraktion und automatisiertem spiegeln mit IrfanView) keine 15 min.
Mit den 2007/2008 aktuellen 10 - 14 MP-DSLRs dürfte eine derart hohe Bildqualität erzielbar sein, dass selbst allerfeinste Bilddetails in den Dias  mehr als ausreichend erfasst werden können. Ansonsten hilft nur noch professionell scannen lassen.

Bildbeispiele
Genug geschwätzt, jetzt gibt’s ein paar konkrete Bilder ;-)) Für die nachfolgenden Bildbeispiele habe ich bewusst sehr schwierige Dias ausgewählt (alles Kodachrome 64 und 200) mit extremen Kontrasten und feinen Farbverläufen und feinsten Details. Die farblichen Unterschiede dürften mehr in der Software und meiner Arbeitsweise (hauptsächlich des DiaScanners) begründet liegen als in den Geräten selbst. Interessant ist jedenfalls, dass ich mit abfotografieren weit schneller auch zu farblich guten (d.h. stimmigen und dem Dia entsprechenden) Resultaten gelange wie mit dem DiaScanner.

Jeweils klicken für größeres Bild oder Auschnitt.

Gescannt mit Diascanner
ACER ScanWit-2740 ICE


Abfotografiert mit PENTAX *istDS und
Tokina AT-X 90mm MACRO am
PENTAX Balgengerät (60mm Auszug)

Biene mit 2740 ICE
Biene abfotografiert
Bei dieser Makroaufnahme (auf Kodachrome 200) macht sich im direkten Vergleich die Bildwölbung des abfotografierten Bildes bemerkbar, zu erkennen an dem leichten Schärfeverlust im Randbereich (rechtes Bild). Hier kann der DiaScanner (links) durch seine größere Schärfetiefe glänzen. Hier noch Ausschnitte (100%-Crop) vom Diascanner und fotografiert.


Baum im Gegenlicht Scanner
Baum im Gegenlicht DSLR
Das Bild vom Baum im Gegenlicht ist ein sehr schwieriges Motiv, weil das Dia selbst recht dunkel ist. Verblüffend ist die gute (gefälligere) Farbdarstellung des abfotografierten (rechten) Bildes im Vergleich zum DiaScanner (links).
Die „Vignettierung“ ist in erster Linie auf die Verwendung eines Polfilters während der Aufnahme zurück zu führen.


Baum 2 mit Scanner
Baum 2 mit DSLR
Bei diesem Bild kommt es mir auf eine möglichst farbrichtige Darstellung des Sandes an sowie einem sauberen Farbverlauf im Himmel an. Die feinen Holzstrukturen werden beim DiaScanner erwartungsgemäß ein wenig besser aufgelöst, wobei der Unterschied sehr gering ausfällt. Die „Vignettierung“ ist in erster Linie auf die Verwendung eines Polfilters während der Aufnahme zurück zu führen.


Duene mit Scanner
Duene mit DSLR
Am Beispiel des Schildes im rechten Vordergrund kann man gut die Auflösung/Schärfe-Leistung der beiden Digitalisierungsvarianten vergleichen - Ausschnitte jeweils 100%-Crop: DiaScanner und abfotografiert


Sonne im Spiegel mit Scanner
Sonne im Spiegel mit DSLR -1,5 LW
Ein Beispiel für brutalst möglichen DiaKontrast. Hier zeigt sich das abfotografierte Bild (rechts) in der Kontrastbewältigung gegenüber dem Scanner als deutlich überlegen! Die RAW-Datei habe ich im Konverter um -1,5LW korrigiert um den Lichthof um die Sonne nicht zu groß werden zu lassen. Anschließend habe ich mit „Schatten verstärken“ um 15% die Zeichnung im dunklen Hintergrund noch weiter ausgearbeitet. Mehr ist auch auf dem (sehr dunklen) Dia mit der Lupe nicht zu erkennen! (Möglicherweise ließe sich aus der Scannerhardware mit einer besseren Software (wie z.B. Silverfast) noch mehr rausholen, diesen Versuch muss ich mangels Software leider schuldig bleiben.)


Sonne im Spiegel DSLR +3LW
Hier noch mal ein Bild aus dem selben RAW-File mit +3LW überbelichtet um zu zeigen, was in der RAW-Datei „drinnsteckt“ - an diesem Beispiel zeigt sich deutlich der Vorteil einer RAW-Datei, man hat einfach mehr Spielraum für Optimierungen
Nette Worte & Anregungen sind gerne erwünscht:

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